Deckbedingungen

9. September 2009 von Angelika Freitag

Durch das Zusammenbringen von Alpakas aus verschiedenen Beständen entsteht immer das Risiko der gesundheitlichen Beeinträchtigung der Alpakas. Außerdem hat eine Stute und ein gegebenenfalls mitgebrachtes Fohlen durch Transport und Umstellung der Umgebung einen unvermeidlichen Streß, der die Gesundheit und damit auch die Fruchtbarkeit belastet.

Damit diese Belastungen so gering wie möglich für alle betroffenen Tiere, aber insbesondere auch für die Gaststuten und ihre Fohlen, bleiben, haben wir einige Grundregeln für unseren Deckbetrieb aufgestellt.
So umständlich und aufwendig sie auch erscheinen mögen: lassen Sie sich versichert sein, daß ihnen durchaus negative Erfahrungen zu Grunde liegen, die anderenorts durch Unterlassung solcher Regelungen eingetreten sind.
Sie dienen der unbedingten Gesunderhaltung unserer Tiere und sind deshalb in unserer aller Interesse.

Selbstverständlich sind nur gesunde und ausreichend ernährte, aber nicht zu übergewichtige Stuten fruchtbar und in der Lage, trächtig zu werden. Bitte achten Sie auf die Gesundheit Ihrer Tiere und lassen sie sich diese aktuell vor dem Transport durch Ihren Tierarzt schriftlich bestätigen.

Wir möchten die Übertragung von Würmern, Darmkeimen und Hautparasiten unbedingt vermeiden, weil einige von ihnen ernsthafte Probleme verursachen können. Einige Beispiele dazu:

- Eine Cocczidien-Infektion ist für erwachsene Alpakas unproblematisch und eine Ansteckung würde vom Besitzer nicht wahrgenommen. Für Fohlen ohne Schutz durch Immunstoffe von der Mutter kann eine Infektion aber lebensbedrohliche Durchfälle auslösen.
- Eine mitgebrachte Milbeninfektion kann sehr schnell eine ganze Herde befallen und so erhebliche Folgebehandlungen und damit zusammenhängende Kosten verursachen.
- Chlamydien werden möglicherweise beim Deckakt übertragen und können bei Stuten einen Fohlentod oder die Geburt nicht lebensfähiger Fohlen auslösen. Während einer solchen Fehl- oder Totgeburt scheidet die Stute massenhaft Chlamydien an die gesamte Umgebung aus und kann so den ganzen Bestand infizieren und damit bei allen weiteren tragenden Stuten Fehl- oder Totgeburten auslösen. Sollte eine schwangere Frau durch Kontakt infektiöses Material aufnehmen, droht auch ihr eine Fehlgeburt.

Natürlich ließe sich diese Liste weiter fortsetzen, aber wir denken, daß auch so schon die Notwendigkeit der im Folgenden aufgeführten Voraussetzungen klar geworden ist.

Ein wirksamer Impfschutz durch einen Impfstoff wie Covexin 8 oder Covexin 10 wird dringend empfohlen.

Bitte lassen Sie einige Wochen vor der geplanten Bedeckung bei Ihrer Stute einen Vaginalabstrich mit Untersuchung auf Keime und deren Resistenzverhalten durchführen. Das Ergebnis muß beim Bringen der Stute vorgelegt werden. Sollten eventuell belastende Bakterien nachgewiesen werden, zeigt ein Leukozytenabstrich die Schwere der Erkrankung der Stute an: bei Vorhandensein vieler Leukozyten wird Ihr Tierarzt die Stute antibiotisch behandeln, weil eine Bedeckung nicht möglich ist.
Sind zwar möglicherweise krankhafte Keime nachgewiesen, aber die Anzahl der Leukozyten ist nicht auffällig, kann dennoch bei der Bedeckung eine Verschleppung dieser Keime in die Gebärmutter der Stute erfolgen. Es droht eine Gebärmutterinfektion, die im schlimmsten Fall zu Unfruchtbarkeit der Stute führen kann.
In einem solchen Fall führen wir direkt vor der Bedeckung eine antibiotische Behandlung der Stute gemäß dem bei diesen Keimen nachgewiesenen Resistenzverhalten hier durch.
Dadurch wird außerdem eine Anstckung des Hengstes und so eine Weiterverbreitung von Keimen auf andere Stuten durch den Hengst vermieden.

Ebenso muß bei Ankunft das Ergebnis einer nur wenige Monate alten Blutuntersuchung auf Chlamydien mitgebracht werden. Eine Stute, die auf Chlamydien positiv getestet wurde, ist nicht infektiös im Umgang und kann durchaus gedeckt werden. Weil aber möglicherweise beim Deckakt eine Übertragung und Infektion des Hengstes stattfinden kann, muß kurz vorher eine antibiotische Behandlung der Stute erfolgen.
Dies dient nicht nur dem Schutz unserer auf Chlamydien negativ getesteten Hengste, sondern auch der anderen Stuten, die ein solcher Hengst möglicherweise in der Folgezeit ebenfalls anstecken könnte. Es werden also auch andere Stuten und somit die Bestände ihrer Besitzer durch eine solche Maßnahme geschützt.

Das Verbreiten von Darmparasiten möchten wir vermeiden. Wir bitten deshalb um die Durchführung einer Entwurmung ca. 14 Tage vor dem Bringen der Stute. Um dabei auch gleich die Übertragung von Hautparasiten zu verhindern, empfehlen wir, zur Entwurmung ein Medikament zu verwenden, das gleichzeitig zu den Würmern auch Milben abtötet wie Moxidectin oder Ivermectin.
In den letzten Wochen vor der Ankunft der Stute bei uns muß unbedingt auch eine Untersuchung des Kotes auf Darmkeime erfolgen. Bei eventuell auffälligem Befund bleibt Ihnen dann noch genügend Zeit zu einer Behandlung vor dem Transport.

Selbstverständlich werden Ihre Stuten und die mitgebrachten Fohlen von meinen Alpakas und auch von anderen Gaststuten abgetrennt in eigenen Weidepaddocks mit Unterstand untergebracht und versorgt. Es ist kein Kontakt der Tiere untereinander möglich außer während der Bedeckung. Die Alpakas können sich aber alle sehen, so daß auch Einzelstuten keinen Streß erleiden durch die Einzelunterbringung.
Die Paddocks werden natürlich bei Stutenwechsel gründlich desinfiziert bevor eine neue Stute sie bewohnt.

Unsere Hengste unterliegen den gleichen umfassenden vorbeugenden Gesundheitsmaßnahmen: sie werden regelmäßig geimpft und entwurmt, ihre Kotproben sind frei von Darmkeimen. Glücklicherweise sind alle Hengste beim Test auf Chlamydien negativ getestet worden.

Die Ernährung der Gasttuten während des Aufenthaltes bei uns entspricht selbstverständlich den hohen Anforderungen, die wir auch an die Ernährung unserer eigenen Stuten stellen, kann aber mit den Wünschen der Besitzer abgestimmt werden.

Was bedeutet “handling fee”? Wir möchten Besitzern von Stuten, die in der Nähe wohnen, die Möglichkeit geben, mit Ihren Stuten sofort nach der Bedeckung wieder nach Hause fahren zu können und dadurch Kosten zu sparen. Also haben wir die Preise generell reduziert und erheben für die Versorgung der Stuten, die auf dem Hof verbleiben, eine zusätzliche Betreuungstaxe von 50,- Euro für maximal 4 Wochen.

Wir hoffen, daß Sie unsere vorbeugenden Vorsichtsmaßnahmen nun nachvollziehen und akzeptieren können und verstehen sicher, daß wir auf ihre Durchführung achten werden.

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