Vorbereitungen für die Decksaison

3. February 2010 von Angelika Freitag

Vorbereitungen für die Decksaison

Veröffentlicht in der Zeitschrift “Allespaka”, Ausgabe 2, Februar 2008

Der Winter ist eine gute Zeit, das Erreichte zu rekapitulieren und die Planungen für das kommende Jahr in Angriff zu nehmen.

Zu diesen Vorbereitungen gehört unter vielem Anderen auch die Deckplanung.

Ich möchte mich hier mit den notwendigen Maßnahmen für die eigentlichen Bedeckungen befassen.

Durch das Zusammenbringen von Alpakas aus verschiedenen Beständen entsteht immer das Risiko der gesundheitlichen Beeinträchtigung der zusammengebrachten Tiere.

Außerdem sind die Stute und ihr gegebenenfalls mitgebrachtes Fohlen durch Transport und Umstellung der Umgebung einem unvermeidlichen Streß ausgesetzt, der zusätzlich die Gesundheit und damit auch die Fruchtbarkeit belastet.

Damit diese Belastungen so gering wie möglich für alle betroffenen Tiere, aber insbesondere auch für die transportierten Stuten und ihre Fohlen, bleiben, sollten einige Grundregeln für den Deckbetrieb beachtet werden.

So umständlich und aufwendig sie auch erscheinen mögen: Sie dienen der unbedingten Gesunderhaltung der Tiere und sind deshalb für Hengst- und Stutenbesitzer von großem Interesse.

Selbstverständlich sind nur gesunde und ausreichend ernährte, aber nicht zu übergewichtige Stuten fruchtbar und in der Lage, trächtig zu werden. Dazu gehört auch eine ausreichende Versorgung mit Spurenelementen und Vitaminen, hier sind vor allem Zink und Selen bei Alpakas zu nennen.

Im Interesse der Besitzer von Hengst und Stute sollte die Gesundheit der Alpakas vor dem Zusammenbringen durch einen Tierarzt geprüft und schriftlich bestätigt werden.

Was kann nun alles übertragen werden und muß beachtet werden?

Ich möchte einige besonders wichtige Punkte herausgreifen, die aber keinen Anspruch auf Vollständigkeit erheben:

- Eine Cocczidien-Infektion ist für erwachsene Alpakas unproblematisch und eine Ansteckung würde vom Besitzer nicht wahrgenommen. Für Fohlen ohne Schutz durch Immunstoffe von der Mutter kann eine Infektion aber lebensbedrohliche Durchfälle auslösen.

- Eine mitgebrachte Milbeninfektion kann sehr schnell eine ganze Herde befallen und so erhebliche Folgebehandlungen und damit zusammenhängende Kosten verursachen. Glücklicherweise erkranken die meisten gesunden Tiere nicht in bedrohlicher Form.

- Chlamydien werden möglicherweise beim Deckakt übertragen und können bei Stuten den Tod des Fohlens oder die Geburt nicht lebensfähiger Fohlen auslösen. Während einer solchen Fehl- oder Totgeburt scheidet die Stute außerdem massenhaft Chlamydien in die gesamte Umgebung aus und kann so einen ganzen Bestand infizieren und damit bei allen weiteren tragenden Stuten Fehl- oder Totgeburten auslösen. Sollte eine schwangere Frau durch Kontakt mit einer solchen Geburt infektiöses Material aufnehmen, droht auch ihr eine Fehlgeburt. Diese Erreger  können, einmal eingeschleppt, noch über Jahre viele Verluste und Probleme im Bestand aufwerfen.

- Es gibt eine ganze Reihe nur mäßig aggressiver Keime, die nur bei der Übertragung während des Deckvorganges über die dann ausgelöste Gebärmutterinfektion (bei Alpakas wird ja das Sperma beim Deckakt bis in die Gebärmutter eingetragen) ein Problem darstellen und in der übrigen Zeit scheinbar harmlos sind.

Natürlich ließe sich diese Liste weiter fortsetzen.

Welche vorbeugenden Schutzmaßnahmen lassen sich ergreifen, um Probleme für den Besitzer der Stute wie auch des Hengstes zu vermeiden?

Ein wirksamer Impfschutz durch einen Impfstoff wie Covexin 8 oder Covexin 10 wird dringend empfohlen.

Einige Wochen vor der geplanten Bedeckung sollte bei der Stute einen Vaginalabstrich mit Untersuchung auf Keime und deren Resistenzverhalten durchführt werden.

Das Ergebnis muß beim Bringen der Stute dem Hengstbesitzer vorgelegt werden, damit sein Tierarzt entscheiden kann, ob Schutzmaßnahmen erforderlich oder sinnvoll sind.

Sollten eventuell belastende Bakterien in diesem Abstrich nachgewiesen worden sein, zeigt ein zusätzlicher Leukozytenabstrich die Schwere der Erkrankung der Stute an: bei Vorhandensein vieler Leukozyten wird der Tierarzt die Stute mehrere Tage antibiotisch behandeln, weil eine Bedeckung sonst nicht möglich ist.

Sind zwar möglicherweise krankhafte Keime nachgewiesen, aber die Anzahl der Leukozyten ist nicht auffällig, kann dennoch bei der Bedeckung eine Verschleppung dieser Keime in die Gebärmutter der Stute erfolgen. Es droht ihr eine Gebärmutterinfektion, die im schlimmsten Fall zu dauerhafter Unfruchtbarkeit führen kann.

In einem solchen Fall wird der Tierarzt des Hengstbesitzers direkt vor der Bedeckung eine antibiotische Behandlung der Stute gemäß dem bei diesen Keimen im Resistogramm nachgewiesenen Resistenzverhalten durchführen.

Dadurch wird außerdem eine Ansteckung des Hengstes und so eine Weiterverbreitung von Keimen auf andere Stuten durch den Hengst vermieden.

Weil ja der Kontakt des hoffentlich entstehenden Fohlens mit der Mutter erst mindestens eine Woche später stattfindet, ist ein solches Antibiotikum längst abgebaut und kann das Fohlen in seiner Entwicklung nicht beeinträchtigen.

Ebenso muß eine Blutuntersuchung auf Chlamydien (bei Alpakas ist ein Abstrich auf Chlamydien nicht zuverlässig möglich!) vorliegen.

Eine Stute, die auf Chlamydien positiv getestet wurde, ist nicht infektiös im Umgang und kann auch durchaus gedeckt werden. Weil aber möglicherweise beim Deckakt eine Übertragung und Infektion des Hengstes stattfinden kann, muß kurz vorher eine Behandlung der Stute mit einem wirksamen Antibiotikum erfolgen.

Dies dient nicht nur dem Schutz der Hengste, sondern auch der anderen Stuten, die ein solcher Hengst möglicherweise in der Folgezeit ebenfalls anstecken könnte. Es werden also auch andere Stuten und somit die Bestände derer Besitzer durch eine solche Maßnahme geschützt.

Das Verbreiten von Darmparasiten über den Boden bzw. die Kotplätze sollte vermieden werden. Es empfiehlt sich die Durchführung einer Entwurmung ca. 14 Tage vor dem Bringen der Stute. Sie ist dadurch außerdem in einer robusteren Verfassung.

Um dabei auch gleich die mögliche Übertragung von Hautparasiten einzugrenzen, empfiehlt sich, zur Entwurmung ein Medikament zu verwenden, das gleichzeitig zu den Würmern auch Milben abtötet wie Moxidectin oder Ivermectin.

Außerdem sollte in den letzten Wochen vor dem Transport der Stute auch eine Untersuchung des Kotes auf krankhafte Darmkeime wie Cocczidien (nicht Würmer) erfolgen. Bei eventuell auffälligem Befund bleibt dann noch genügend Zeit zu einer Behandlung vor dem Transport.

Es ist in meinen Augen selbstverständlich, dass die Gaststuten und ihre mitgebrachten Fohlen getrennt von den anderen Alpakas des Bestandes und auch von anderen Gaststuten in eigenen Weidepaddocks mit Unterstand untergebracht und versorgt werden. Es sollte kein direkter Kontakt der Tiere untereinander möglich sein außer während der Bedeckung. Natürlich müssen sich die Alpakas aber andere sehen können, so daß auch Einzelstuten keinen unnötigen Streß erleiden durch die Unterbringung.

Für Betriebe mit immer wieder neuen Gaststuten ist es sicher unbedingt sinnvoll, die Paddocks bei Stutenwechsel gründlich zu desinfizieren, bevor eine neue Stute sie bewohnt.

Es versteht sich von selbst, dass die Hengste den gleichen, umfassenden vorbeugenden Gesundheitsmaßnahmen unterliegen sollten: sie müssen regelmäßig geimpft und entwurmt werden, ihre Kotproben untersucht werden, Tests auf Chlamydien durchgeführt werden.

Alle diese Maßnahmen erfordern eine rechtzeitige Planung und Absprache mit dem zuständigen Tierarzt, für die jetzt ausreichend Zeit ist.

Ich wünsche allen Alpakabesitzern eine erfolgreiche Decksaison 2008.

Angelika Freitag

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