Erfahrungen mit dem mobilen Ultraschallgerät

3. February 2010 von Angelika Freitag

Erfahrungen mit dem mobilen Ultraschallgerät

erschienen in der Zeitschrift “Allespaka”, Ausgabe 2, Februar 2008

Für jeden Alpakazüchter ist es von großer Bedeutung, sicher zu wissen, ob seine wertvollen Zuchtstuten tragend sind und die Trächtigkeit im weiteren Verlauf erhalten ist und problemlos verläuft.

Für die meisten von uns bleibt als einziger sicherer Test die Blutuntersuchung auf Progesteron, die bis auf die letzten 2 Wochen vor der Geburt (hier sinkt der Spiegel wieder auf Werte wie vor einer Trächtigkeit) zuverlässig ist.

Leider ist diese Blutuntersuchung für viele Stuten mit erheblichem Streß verbunden, der bei sehr sensiblen Stuten sogar zum Verlust der Trächtigkeit führen kann.

Für den Züchter ist er außerdem aufwändig und teuer, zudem muß er bis zu eine Woche auf das Ergebnis warten.

Der Abspucktest (Abwehren des Hengstes durch Widerstand/Spucken durch die Stute) kann bei dominanten Hengsten und jungen Stuten unsicher sein: sie lassen sich trotz schon bestehender Trächtigkeit decken und so wird die bereits bestehende Trächtigkeit oft unterbrochen.

Bereits seit einigen Jahren wird uerst in Australien und den USA, nun auch bei uns bei Alpakas ein Sonargerät verwendet, das mit Ultraschallwellen flüssigkeitsgefüllte Hohlräume anzeigt.

Da auch die Gebärmutter ein solcher Hohlraum ist, kann damit auch eine Trächtigkeit angezeigt werden.

Leider zeigt kein Bild dem Durchführenden an, ob der gefundene Hohlraum wirklich die Fruchtblase ist und nicht zum Beispiel die Harnblase oder andere Flüssigkeitsansammlungen im Bauch.

Gerade für einen Anfänger ist dabei die Unterscheidung aus der Zielrichtung heraus schwierig.

Obwohl ich mich nicht zu den Anfängern zählen möchte, muß ich zugeben, dass ich in den 2 Jahren, in denen ich mit einem solche Gerät gearbeitet habe, insgesamt 4x Trächtigkeiten festgestellt zu haben meinte (auch im Verlauf immer wieder alle 2-3 Monate als solche vom Gerät angezeigt wurden – und ich habe sicher nicht die Harnblase erwischt), die sich dann nicht bestätigten.

Auf diese Weise habe ich 1,5 Jahre gewartet und 4 Fohlen nicht bekommen, weil ich mich auf das Gerät verlassen habe.

Seit kurzem sind  tragbare Ultraschallgeräte im Handel, die sich für mich als ideale und praktikable Lösung erwiesen haben.

Diese kleinen Akkugeräte sind sehr leicht und das von mir verwendete der Firma Physia hat einen relativ großen Bildschirm.

Es benutzt einen Sektorscan (das heißt einen sehr kleinen Schallkopf) für die Darstellung, was bei Alpakas den großen Vorteil hat, dass selbst bei starker Bewollung nur ein kleines „Hautfenster“ durch Auseinanderspreizen der Faser für eine Bilddarstellung notwendig ist (wie durch ein Guckloch).

Dieser Schallkopf ist außerdem relativ klein, so dass selbst an der sitzenden Stute untersucht werden kann.

Angelika Freitag beim spontanen Ultraschall auf der AAeV-Show in Ulm 2008

Angelika Freitag beim spontanen Ultraschall auf der AAeV-Show in Ulm 2008

Seit Ende 2005 benutze ich dieses Ultraschallgerät, mit dem ich mit einiger Übung inzwischen spätestens ab der 6. Trächtigkeitswoche, bei Stuten, die schon Fohlen hatten, sogar schon eine Woche eher, eindeutige Befunde von  der Bauchdecke aus erheben kann.

Da die Fruchtblase (unten) sich im Bild deutlich von der Harnblase (oben) unterscheidet (durch den breiten und unregelmäßigen Zottensaum, den die völlig glatte Harnblasenwand nicht aufweist), kann selbst ein Laie nach kurzer Einweisung eine Trächtigkeit mit einem Ultraschallgerät erkennen.

Foro aus der 8. Trächtigkeitswoche

Foto aus der 8. Trächtigkeitswoche

Bei fortgeschrittener Trächtigkeit gelingt der Nachweis zunehmend einfacher.

Auf diese Weise kann ohne großen Aufwand die Trächtigkeit beobachtet werden und ein Abort (Verlust des Fohlens durch Resorption) früh erkannt werden.

Ein weiteres Beispiel für die Genauigkeit:

Die Wirbelsäule 5. Monat

Nun lässt sich auch vermeiden, dass junge Stuten trotz Trächtigkeit immer wieder einem Hengst zugeführt werden und durch erneute Bedeckungen die Frucht gefährdet wird.

Beim Kauf eines tragenden Alpakas kann dem Käufer sehr schnell die Trächtigkeit gezeigt werden.

Die Kosten für ein Ultraschallgerät sind naturgemäß deutlich höher als die für ein Sonargerät. Aber schon durch ein einziges gewonnenes Fohlen hat ein solches Gerät oft schon seine Unkosten eingebracht, bei mehreren Fohlen ist rentiert es sich sehr schnell. (Und die eingesparten Kosten und Belastungen durch Blutuntersuchungen müssen hier noch gegen gerechnet werden).

Da außerdem ein solches Gerät sicher selbst bei großen Züchtern nicht täglich im Einsatz sein dürfte, ist es  sehr gut möglich, die Anschaffungskosten noch zu reduzieren durch die Bildung von Nutzungsgemeinschaften. So können  mehrere Züchter von einem Gerät profitieren.

Natürlich kann mit einem solchen Gerät mehr gemacht werden als nur ein Trächtigkeitsnachweis.

Aber hierfür ist wirklich eine medizinische Ausbildung notwendig: einen Leber- oder Nierenbefund kann ein Laie sicher auch mit Anleitung nicht erstellen.

Aber schon alleine für den reinen Nachweis einer Trächtigkeit ist ein Ultraschallgerät sicher eine sinnvolle und rasch lohnende Anschaffung für jeden ernsthaften Züchter.

Hilfestellung kann vielleicht bald ein Bilderkatalog bieten, den wir aus gemeinsamen Bildern der letzten 2 Jahre erstellen: Da es ganz einfach ist, die Bilder auf einem Computer zu speichern (oder sie einfach mit einem Fotoapparat oder Fotohandy zu fotografieren!),  kann jeder Besitzer seine Bilder mit anderen vergleichen oder sie per Mail weiterschicken, um sich beraten zu lassen.

Dr. Angelika Freitag,

Aabach-Farm

Beisitzer AAeV

Herdbuch und Registratur

Abgelegt in Eigene Veröffentlichungen, Erfahrungen mit mobilem Ultraschall

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